[Ein kleiner Ausschnitt aus: Gesellschaft am Abgrund – Anomie und die Folgen wirtschaftlicher Turbulenzen]
Lassen Sie mich eine steile These in den Raum stellen:
Der wahre Motor des Aufstiegs des Westens war nicht allein Technik, nicht allein Kapital, nicht allein Vernunft –
es war die Frau.
Oder genauer gesagt:
Die Art und Weise, wie man begann, sie nicht länger als Objekt zu behandeln,
sondern als Subjekt,
als ebenbürtigen Gegenspieler,
als Gefährtin auf Augenhöhe,
als Komplizin in einem gemeinsamen Projekt namens Fortschritt.
Ludwig von Mises – der große Ökonom – hat bereits vor mehreren Jahrzehnten darauf hingewiesen:
Der entscheidende Unterschied zwischen dem Westen und dem Orient liegt nicht in der Hautfarbe,
nicht in der Religion,
nicht in der Geografie.
Er liegt – ganz schlicht – im Umgang mit der Frau.
Denn wo die Frau unsichtbar gemacht, versteckt, versklavt, verstummt wird,
da bleibt auch der Mann unfrei.
Da stagniert nicht nur die Familie – da stagniert die gesamte Gesellschaft.
Innovation, Renaissance, Aufbruch – all das setzt voraus,
dass der Mensch seinem Spiegelbild ins Gesicht schauen kann.
Und dieser Spiegel, in dem sich eine Gesellschaft selbst erkennt – das ist die Frau.
Wer wissen will, wie es einer Kultur wirklich geht, der muss nur hinschauen, wie sie mit ihren Frauen umgeht.
Auch aus eigener Beobachtung meiner letzten zehn Jahre des Ortswechsels kann ich sagen:
Ich habe immer wieder gesehen:
Ging es den Frauen gut,
ging es der ganzen Stadt gut.
Doch machen wir uns nichts vor:
Auch im Westen war das nicht immer so.
Im Mittelalter – das wissen wir – war die Frau rechtlich, kulturell, körperlich ein Besitz.
Ritterliteratur war nicht nur Minne.
Sie war auch Handbuch.
Und darin fand sich – ich zitiere fast wörtlich – die Empfehlung,
Frauen am besten mit der Faust auf die Nase zu schlagen.
Nicht aus Wut.
Aus Prinzip.
Das war das Denken: Die Frau – ein Wesen, das man formen muss, züchtigen darf, besitzen soll.
Und dennoch… etwas veränderte sich.
Nicht aus plötzlicher moralischer Einsicht.
Nicht, weil Männer aufwachten und sagten: „Oh, wir irren uns.“
Nein.
Die Veränderung kam aus einem scheinbar ganz anderen Bereich:
Dem Kapital.
Denn mit der Kapitalakkumulation, mit der aufziehenden Industriellen Revolution,
änderte sich nicht nur der Umgang mit Maschinen –
sondern auch mit Menschen.
Mit Frauen.
August Bebel hat es einmal radikal formuliert:
Die Frau war die erste Sklavin der Menschheitsgeschichte –
lange bevor es Sklaven gab.
Und es ist kein Zufall, dass ihre Befreiung erst begann,
als es für sie plötzlich einen ökonomischen Nutzen gab.
Die Arbeiter streikten.
Die Männer forderten mehr Lohn.
Und die Fabrikbesitzer –
holten sich die Frauen.
Sie arbeiteten disziplinierter,
waren mit weniger Lohn zufrieden –
und wurden plötzlich zu Wirtschaftsfaktoren.
Zu tragenden Säulen der Produktion.
Zu eigenständigen Akteuren in einem System, das nicht länger ignorieren konnte,
dass dieses vermeintlich „schwache Geschlecht“
nicht schwach war, sondern systemrelevant.
Und hier, meine Damen und Herren,
beginnt ein leiser, aber weltgeschichtlicher Wendepunkt.
Denn von dem Moment an,
wo eine Frau einen Lohnzettel in der Hand hielt –
war sie nicht länger nur eine Tochter, Ehefrau oder Magd.
Sie war eine Marktteilnehmerin.
Ein Subjekt mit ökonomischem Wert.
Ein Teil des Spiels – und nicht mehr nur das Spielfeld.
Das Kapital befreite nicht aus Nächstenliebe –
es befreite aus Notwendigkeit.
Doch die Konsequenz war revolutionär.
Denn mit der ökonomischen Beteiligung kam die gesellschaftliche Emanzipation.
Mit dem Lohn kam das Wort.
Mit der Arbeit kam das Mitspracherecht.
Und mit der Anerkennung kam – die Angst.
Denn jetzt, wo die Frau nicht mehr Objekt war,
musste der Mann lernen, ihr Gegenüber zu begegnen.
Nicht von oben herab.
Sondern von Auge zu Auge.
Und genau hier beginnt – so Ludwig von Mises – der eigentliche Unterschied zum Orient.
Denn dort blieb die Frau ausgeschlossen.
Unsichtbar.
Ohne Stimme, ohne Markt, ohne Macht.
Im Westen aber begann man – wenn auch zögerlich, wenn auch widersprüchlich –
sie nicht länger zu fürchten, sondern zu fragen.
Nicht länger zu formen, sondern mit ihr zu gestalten.
Und das, meine Damen und Herren,
war die wahre Renaissance.
Nicht das Wiederentdecken der Antike –
sondern das Wiederentdecken der anderen Hälfte der Menschheit.
Darum sage ich:
Wer über Fortschritt spricht, darf über die Frau nicht schweigen.
Wer Zukunft gestalten will, muss zurückblicken –
nicht auf die Sieger der Geschichte,
sondern auf diejenigen, die zu lange stumm gehalten wurden.
Denn wenn der Westen etwas richtig gemacht hat,
dann nicht, weil er klüger war –
sondern weil er irgendwann verstand:
Die Frau ist kein Ornament des Erfolgs.
Sie ist sein Fundament.